Wissenschaftliche Fortbildung

Samstag, 10. Oktober 2026 | 08:45 – 16:00 Uhr

Schmerzmedizin im Aufbruch: präziser – individueller – digitaler

08:45 – 09:00

Schmerzmedizin in der Sackgasse?

Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Göppingen

09:00 – 10:30

Cannabinoide in der Schmerzmedizin: aktuelle Evidenz eröffnet neue Perspektiven

Von der Hoffnung zur Evidenz: Cannabinoid-basierte Arzneimittel in der Schmerztherapie
Michael A. Überall, Nürnberg

Jahrelang bewegte sich die Anwendung von Cannabinoiden in der Schmerzmedizin im Spannungsfeld zwischen Einzelfallberichten, rezepturbedingter Unsicherheit und schwacher Evidenz. Mit der Zulassung des ersten standardisierten Cannabis-Vollspektrum-Extrakt-Fertigarzneimittels für chronische Kreuzschmerzen vollzieht die Therapie nun den entscheidenden Schritt von der bloßen Hoffnung zur wissenschaftlich belegten Evidenz – und damit den direkten Weg von der Studie in die Praxis. Wie belastbar ist diese Datenlage tatsächlich? Wie gut ist diese Evidenz und welche Indikationen und Potenziale ergeben sich aus den ersten Phase-III-Studien zu Medizinalcannabis in der Schmerzmedizin?

Von der Studie zum Alltag: Was, wann, wie?
Philipp Müller-Schwefe, Göppingen

Die Zulassung eines neuen Schmerzmittels ist nur der erste Schritt – der reale Behandlungserfolg entscheidet sich in der praktischen Umsetzung im Praxisalltag. Dieser Vortrag schlägt die Brücke von den präklinischen und klinischen Studienergebnissen hin zur konkreten Patientenselektion und der praktischen Behandlung. Erfahren Sie, welche Patientenprofile am stärksten profitieren und wie das Fertigarzneimittel im Rahmen multimodaler Schmerzkonzepte rational titriert wird.

GKV-Aus für Cannabis?
Vom Gesetz zur sicheren Verordnung in Baden-Württemberg
Michael A. Überall, Nürnberg & Philipp Müller-Schwefe, Göppingen

10:30 – 11:00

Pause

11:00 – 11:30

Schmerzfrei, aber antriebslos: beeinflussen Opioide und Ko-Analgetika die Sexualhormone?

Stefan Wirz, Bad Honnef

Der symptomatische männliche Testosteronmangel ist ein oft unterdiagnostiziertes, multisystemisches Krankheitsbild. Das Defizit beeinträchtigt androgenabhängige Funktionen wie Metabolismus, Psyche, Libido sowie das muskuloskelettale und kardiovaskuläre System. Pathophysiologisch wird die endogene Testosteronsynthese durch viszerale Adipositas, systemische Inflammation und Pharmaka (v. a. Opioide, selektive Antidepressiva, Antikonvulsiva) supprimiert. Neben psychovegetativen und sexuellen Dysfunktionen drohen metabolische Entgleisungen, Hyperalgesie und eine erhöhte Mortalität. Eine evidenzbasierte Diagnostik mit anschließender Testosterontherapie kann die klinische Symptomatik sowie die Schmerztoleranz verbessern. Optimal ist ein interdisziplinärer Ansatz aus Adjustierung der Begleitmedikation, Hormonsubstitution und Lebensstilmodifikation.

11:30 – 12:30

Moderne Migräneprophylaxe: Wie ärztliche Therapiefreiheit zur Optimal Control beiträgt

Michael A. Überall, Nürnberg & Philipp Müller-Schwefe, Göppingen

Die Migräne zählt weltweit zu den führenden Ursachen für gesundheitsbedingte Beeinträchtigungen. Trotz dieser hohen Prävalenz bleibt das volle Potenzial der Migräneprophylaxe in der Praxis oft ungenutzt. Dabei ist die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen massiv eingeschränkt, nicht nur während der akuten Schmerzattacken, sondern auch in der interiktalen Phase, die häufig von Antizipationsangst, Leistungseinbußen und sozialem Rückzug geprägt ist. Eine reine Reduktion der monatlichen Migränetage sowie eine Linderung der Schmerzintensität reichen für ein optimales Therapieergebnis daher oft nicht aus. Das Ziel moderner Versorgungsansätze muss eine umfassende Krankheitskontrolle (Optimal Control) sein, die den Patientinnen und Patienten ihre gewohnte Funktionsfähigkeit und Lebensqualität im Alltag zurückgibt. Wie Sie eine solche Optimal Control bei Ihren Patienten erreichen können und welche Freiräume Ihnen trotz der neuen gesetzlichen Regelungen in Ihrer ärztlichen Therapiefreiheit verbleiben, werden zentrale Inhalte dieses Vortrages.

12:30 – 13:00

Pause

13:00 – 13:45

Jenseits der Tablette: topische und lokale Therapieverfahren bei neuropathischen Schmerzen in der Praxis

Christian Maihöfner, Fürth

Die Behandlung peripherer neuropathischer Schmerzen wird häufig durch eine unzureichende Wirksamkeit oder systemische Nebenwirkungen oraler Medikamente erschwert. Lokale und topische Verfahren ermöglichen dagegen eine gezielte, mechanismenbasierte Therapie des umschriebenen schmerzhaften Areals bei meist geringer systemischer Belastung. Etablierte Optionen sind das Capsaicin-8%-Cutanpflaster und lidocainhaltige Pflaster. Darüber hinaus stehen individualisierte Rezepturen mit Wirkstoffen wie Ambroxol, Ketamin oder Clonidin zur Verfügung, deren Einsatz überwiegend außerhalb der Zulassung erfolgt und deren Evidenz je nach Indikation unterschiedlich ist. DMSO kann insbesondere beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom eine ergänzende lokale Behandlungsoption darstellen. Auch die intrakutane oder subkutane Injektion von Botulinumtoxin A wird bei ausgewählten fokalen neuropathischen Schmerzsyndromen eingesetzt. Der Vortrag vermittelt einen praxisnahen Überblick über Wirkmechanismen, Evidenz, Indikationen, Patientenselektion und die Einbindung dieser Verfahren in ein multimodales Therapiekonzept.

13:45 – 14:45

PREFER – Wenn dieselbe Wirkung nicht immer zu gleichem Behandlungserfolg führt

Teil 1: Real-World-Effektivität von retardiertem versus schnell freisetzendem Pregabalin
Michael A. Überall, Nürnberg

Teil 2: Von der Evidenz zur Versorgung: Konsequenzen für die schmerzmedizinische Praxis
Philipp Müller-Schwefe, Göppingen

14:45 – 15:00

Pause

15:00 – 16:00

Workshop:
Aurikuläre Vagusnerv-Stimulation: Gamechanger in der Schmerztherapie?

Andreas Wolf, Zams

Die aurikuläre Vagusnervstimulation (aVNS) gewinnt als Baustein der multimodalen Schmerztherapie zunehmend an Bedeutung. Der Vortrag ordnet die aktuelle Evidenz ein und beleuchtet Einsatzgebiete sowie Möglichkeiten der Methode bei chronischen Schmerzen. Im Anschluss besteht im Rahmen eines Workshops die Möglichkeit, die aVNS selbst live auszuprobieren.

im Anschluss

Abschließende Diskussion

Neue Ergebnisse der Schmerzforschung und der Versorgungsforschung sowie ihre Relevanz für die tägliche Arbeit stehen im Zentrum der 29. Südwestdeutschen Schmerztage – renommierte Forscher sowie Versorgerinnen und Versorger haben ihre Teilnahme zugesagt! Die Südwestdeutschen Schmerztage 2026 bieten die ideale Gelegenheit zum Austausch mit den Referentinnen und Referenten, den Kolleginnen und Kollegen und mit allen an der Schmerzmedizin Interessierten.

  • Wichtige Information:

Änderungen vorbehalten – gebührenfrei – Voranmeldung erforderlich!
Für die Fortbildung werden bei der LÄK BaWü 8 Fortbildungspunkte (FP) der Kategorie A beantragt.

Fortbildungspunkte

Für detaillierte Informationen zu den Fortbildungspunkten dieser Veranstaltung, besuchen Sie bitte unsere Fortbildungspunkte-Seite. Dort finden Sie eine Übersicht der anerkannten Punkte sowie wichtige Hinweise zur Zertifizierung und Übertragung der Punkte.